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Auslandspraktikum - nur wo?
Ist die Entscheidung für ein
Auslandspraktikum erst einmal gefallen, so stellt sich schnell die
Frage in welchem Land das Praktikum absolviert werden soll. Jeder hat
dabei seine persönlichen Vorlieben und "Lieblingsländer".
Es darf jedoch nicht vergessen werden, daß ein Auslandspraktikum kein
Urlaubsaufenthalt sondern ein Karrierebaustein ist, und der
Praktikumsort deshalb nach pragmatischen und durchdachten
Kriterien gewählt werden sollte.
Betrachten wir deshalb die wesentlichen Auswahlkriterien etwas näher
...
Sprachkenntnisse
Es dürfte klar sein, daß mindestens gute Grundkenntnisse in der
Hauptsprache des Wunschpraktikumslandes vorhanden sein müssen. Nur in
Ausnahmen reicht Englisch als geschäftliche Weltsprache aus, i.d.R.
werden Sprachkenntnisse in der heimischen Sprache verlangt. Insofern
scheiden potentielle Praktikumsländer für die keine oder nur
unzureichende Sprachkenntnisse vorhanden sind, bereits im Vorfeld aus.
Wichtig ist dabei, ehrlich zu sich selbst zu sein und nicht etwa die
eigenen angestaubten, seit Jahren nicht mehr gepflegten Schul-Französischkenntnisse
als "exzellente Französischkenntnisse" zu verkaufen.
Frustrationen während des Praktikums sind damit vorprogrammiert und
der Erfolg des Auslandsaufenthalts insgesamt gefährdet.
Finanzieller Aufwand
Eine wichtige Frage bei der Auswahl des Praktikumslandes sind
auch die dazu erforderlichen Finanzmittel. Ein Praktikum in den USA
ist insgesamt teurer als eines in einem direkten Nachbarland
- alleine schon wegen den Reisekosten. Doch auch Visagebühren, die
zwischen einzelnen Ländern erheblich variieren, verteuern manches
Land erheblich. So ist es beispielsweise erforderlich, für die
Erlangung eines USA-Praktikumsvisums einen teuren Dienstleister
einzuschalten, der für die Ausstellung des nötigen Visa-Vordokuments
eine Summe von mehreren Hundert Euro verlangt ... Auch die
Lebenshaltungskosten variieren von Land zu Land und Region zu Region
innerhalb eines Landes stark. Wichtig ist deshalb, zu Beginn der
Planung eines Auslandspraktikums einen Kassensturz zu machen, um
festzustellen, welche Praktikumsländer aus Kostengründen überhaupt
in Frage kommen. Dazu müssen vorab Informationen u.a. über Reise-,
Visa- und Lebenshaltungskosten in den Wunschländern eingeholt werden.
Förderung für das Wunschland?
Eng verbunden mit der Frage nach dem finanziellen Aufwand für ein
bestimmtes Praktikumsland ist die Überlegung, ob für das jeweilige
Wunschland auch ein Förderprogramm besteht. Es existieren eine
Vielzahl von Förderinstitutionen die Studenten durch Stipendien für
einen Auslandsaufenthalt (auch und gerade zum Zwecke eines
Auslandspraktikums) finanziell unter die Arme greifen. Allerdings schränken
die meisten Programme eine solche Förderung explizit auf bestimmte
Zielländer ein. Daher sollte -sofern es möglich und/oder
erforderlich ist, Förderprogramme zu nutzen-
vorab untersucht werden ob für das jeweilige Wunsch-Praktikumsland
auch ein passendes Förderprogramm existiert.
Arbeitsplätze in der Wunschbranche vorhanden?
Praktikumsplätze sind heiß begehrt - man konkurriert zudem gegen
einheimische Studenten um die wenigen Plätze. Deshalb sollte überlegt
werden, ob es in der gewünschten Branche im
Wunsch-Praktikumsland überhaupt die entsprechende Branche gibt.
Visa-Regelungen
Einige Länder haben eine restriktive Vergabe von Studentenvisa.
Kanada z.B. kontingentiert von vornherein seine entsprechenden
Praktikumsvisa und verteilt diese vom Beginn des Jahres bis die Quoten
erfüllt sind. Das heißt, daß ein kurzfristig geplantes
Kanada-Praktikum gegen Ende des Jahres alleine schon aus diesem Grunde
scheitern kann. Andere Länder wiederum haben (zu) lange Wartezeiten für
die Visa-Erteilung. Grundsätzlich sollte daher auch die
Visa-Situation für das jeweilige Wunschland frühzeitig mitbedacht
und in die Planungen einbezogen werden.
Aktuelle wirtschaftliche Situation im Wunschland
Konjunkturelle Schwankungen gibt es überall. Daher muß auch die
aktuelle Wirtschaftssituation im Wunsch-Praktikumsland zum
Bewerbungszeitpunkt berücksichtigt werden. In einer konjunkturellen
Tiefphase im Wunschland wird es schwierig(er) sein dort einen
Praktikumsplatz zu finden.
Klassische Urlaubsgebiete meiden
Viele verbinden bei einem Praktikum im Ausland das Angenehme mit dem Nützlichen
indem sie den Praktikumsort in einem interessanten Urlaubsland wählen
und vor oder nach dem Praktikum einen Urlaubsaufenthalt anhängen. Das
ist auch in Ordnung. Wenn allerdings das Praktikum in einer typischen
Urlaubsregion absolviert wurde, liegt der Verdacht nahe, daß der
Urlaub im Vordergrund stand und das Praktikum nur nebenbei bequem
"mitgenommen" wurde - möglicherweise gar vermittelt durch
Bekannte/Freunde, die dort ein Unternehmen besitzen oder Entscheider
in einem solchen sind wobei das Praktikum nur auf dem Papier bestätigt
wird, also ohne echten Arbeitsinhalt war. Das wissen auch
Personalchefs. Fraglich ist daher, ob es sinnvoll ist, ein Praktikum
beispielsweise auf Ibiza, Sylt oder an der Côte d'Azur anzustreben
...
Länder mit K.O.-Kriterium?
Bei der Wahl des passenden Praktikumslandes sollte auch untersucht
werden, ob es für einzelne Länder K.O.-Kriterien gibt und diese
demnach von vornherein ausscheiden. K.O.-Kriterien können z.B.
fehlende oder zu geringe Sprachkenntnisse sein, Kostengründe (gewisse
Länder zu teuer, s.o.) aber auch gesundheitliche Beschränkungen
(Unverträglichkeit mit zu heißem Klima) oder Ähnliches.
"Exotenländer" in Betracht ziehen
Die beliebtesten Länder für ein Auslandspraktikum dürften
englischsprachige Länder wie die USA, England, Irland oder Australien
sein. Durchaus erwägenswert ist allerdings auch, ein Praktikum in
einem "Exotenland" zu absolvieren. Letztlich dient das
Praktikum im Ausland auch dazu, sich von anderen Bewerbern zu
unterscheiden. Und Personalchefs sind inzwischen stark an Bewerbern
mit eigenen Ideen und unterscheidbaren Lebensläufen interessiert.
Warum also nicht ein Praktikum in einem Land wie China, Mexiko oder
Russland? Natürlich sollte man dann bei passender Gelegenheit ganz
selbstbewußt anmerken, daß die Englischkenntnisse ja ohnehin so gut
seien und daher ein Praktikum in einem Land abseits der westlichen
Welt sinnvoller erschien, um die eigene Persönlichkeit und den
Erfahrungshorizont zu erweitern ...
Renommee des Praktikumsortes
Jeder Student hat bestimmte Vorstellungen in welcher Branche er nach
Beendigung des Studiums arbeiten möchte. Insofern gilt es bereits während
des Studiums Einstellungsargumente für künftige potentielle
Arbeitgeber zu schaffen. Klug gewählte Auslandspraktika sind dabei
ein Baustein. Diese sollten gut zur avisierten Wunschbranche passen.
Wichtig ist dabei, neben einer geeigneten Tätigkeit möglichst
Praktikumsorte bzw. -Länder zu wählen, die ein anerkanntes Renommee
in der späteren Wunschbranche genießen. Wer später -egal ob in
Deutschland oder anderswo- in der IT-Branche arbeiten will, der ist
sicherlich mit einem Praktikum im amerikanischen "Silicon
Valley" bestens bedient, wer später in der Finanzwelt seine Brötchen
verdienen will, der sollte sich um ein entsprechendes Praktikum in der
Londoner City bemühen usw. Oft gibt also die angestrebte Wunschtätigkeit
bzw. -Branche nach dem Studium einen Fingerzeig, welches Land bzw.
welche Region als Ort für eine Auslandspraktikum sinnvoll ist.
Nachdem wir die wesentlichen Kriterien bei der Wahl eines geeigneten
Praktikumslandes angesprochen haben, stellt sich die Frage, wie in der
Praxis dabei möglichst pragmatisch vorgegangen werden sollte. Unser
Tip: erst spontan vier oder fünf interessant erscheinende Wunschländer
notieren, dann zunächst auf etwaige K.O.-Kriterien und danach die
sonstigen obigen Kriterien hin untersuchen. Schlußendlich zwei Länder
in die Endauswahl übernehmen und dort parallel bewerben.
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